TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

 

Wie gut kennt Ihr Euch mit Olivenöl aus? Ich muss zugeben, dass ich mich auch noch nicht so lange mit der Qualität, Herkunft und Geschmack von Olivenöl befasse. Eigentlich stand ich immer recht ratlos vor dem schier endlosen Regal der Öle, von denen mir jede Flasche ein anderes Gütesiegel präsentierte. Preise von/bis und zig verschiedene Flaschen- oder Kanistergrößen – wie soll ich da als Endverbraucher eine gute Wahl treffen können? Meist wurde es das mittelpreisige Produkt, aber wirklich wohl habe ich mich damit nie gefühlt. Allen, denen es wie mir geht, möchte ich heute ein wirklich schönes StartUp-Unternehmen aus Berlin vorstellen: TRY FOODS. Dahinter Jörn Gutowski, den ich in diesem Jahr auf der SlowFood in Stuttgart kennen lernen durfte. Seine Idee: Menschen an hochwertige Lebenssmittel heranzuführen, Sie mit allen Sinnen ein Produkt erleben zu lassen und das zuhause, in aller Ruhe. TRY FOODS bietet neben meinem Set Try Olivenöl auch noch Try Kaffee, Try Pfeffer, Try Salz und Try Schokolade. Mir stellt sich direkt eine nicht ganz unwichtige Frage: wenn mir jetzt ein Produkt aus der Testreihe besonders gut schmeckt, wo kann ich es bekommen? Ganz einfach, denn alle Produkte aus den Try-Serien können auch bei TRY FOODS in Normalgröße bestellt werden.

 

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

 

Ich mag ja schon das Design des würfelförmigen Kartons, darin enthalten die 5 Fläschen mit hochwertigen Olivenölen und ein 60-seitiges Booklet mit anschaulichen Informationen und Tipps, die Jörn Gutowski auf seiner Entdeckungsreise gesammelt hat. Bereits am Mittag habe ich frische Baguettes gebacken, die ich nun zusammen mit den Ölen anrichte. Das Booklet verrät mir, in welcher Reihenfolge die Öle verkostet werden, und auch das Wie wird schön erklärt: zuerst riechen, dann schmecken und zuletzt den Abgang genießen.

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

 

(Zutaten für 2-3 Baguette:

  • 500g Dinkelmehl (630)
  • 300g Wasser, eiskalt
  • 10g Hefe, frische
  • 2 Tl Salz
  • 1 Prise Zucker

Alle Zutaten zu  einem recht flüssigen Teig vermengen und in eine ausreichend große, bemehlte Schüssel mit Deckel geben.  Für ca. 12 Stunden in den Kühlschrank stellen. Den Backofen auf 240° Ober-/Unterhitze aufheizen. Nun den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, er sollte gut aufgegangen sein, auf die bemehlte Arbeitsplatte stürzen aber nicht mehr kneten. Mit dem Spatel in 3 gleiche Stücke teilen und jeden Strang 2-3 Mal drehen. Die Brote nicht mehr gehen lassen, auf ein Blech legen und direkt in den Backofen stellen. Für 15 Minuten bei 240° backen, danach die Temperatur auf 220° runterschalten und weitere 15 Minuten backen.)

 

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

 

Das erste Öl kommt aus Katalonien, es duftet schon mild und leicht fruchtig, ich stippe etwas vom Baguette hinein und schmecke brav das wirklich sehr milde Öl, etwas Mandel vielleicht, aber die auch erst im Abgang. Meine Reise geht weiter nach Kreta, auch noch mild, ein wenig fruchtiger vielleicht und ganz leicht grasig, aber nicht unangenehm. Ich werde mutiger und begebe mich nach Sizilien, hier wird es schon etwas würziger und etwas intensiver, sogar eine leichte Schärfe macht sich breit. Alentejo duftet intensiv fruchtig, nach Kräutern – ich merke schon, hier steckt wesenlich mehr wumms dahinter. So ist es dann auch, auf meiner Zunge tummeln sich die ersten Bitternoten, die sich auch im Abgang lange halten, das gefällt mir gut. Nichts gegen die milden Öle, aber würziger geht bei mir eindeutig besser. In Apulien verstehe ich dann auch, warum die Reihenfolge so ist wie sie ist. Das Öl ist sehr intensiv und nach der Nase auch im Mund direkt präsent. Bitternoten, fast pikant, ist der Geschmak sofort da und bleibt vor Allem auch. Apulien gefällt mir sehr gut – hier kann ich mir sehr gut ein schönes Pesto vorstellen.

 

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

 

Passende Verwendungsmöglichkeiten schlägt das Booklet eigens zu jedem Öl vor, genau so wie dessen Herkunft und wer hinter den Ölen steht. Das ist sehr beruhigend, denn was ich vor der Verkostung gelesen habe, hat mich schockiert. Nicht, dass mir der Etikettenschwindel nicht schon vorher bewusste gewesen wäre, aber das alles so zusammengefasst und schwarz auf weiss zu lesen ist schon sehr ernüchternd.  Jeder Hersteller darf seine Flaschen mit „nativ extra“ kennzeichnen, ohne dass dies jemals geprüft worden wäre. Erst wenn das Öl beanstandet wird, kann durch eine lange Analyse- und Testreihe bewiesen werden, dass das gepanschte Öl fehlerhaft ist und aus dem Verkehr gezogen werden kann. Durch die unsäglich komplizierte EU-Verordnung ist dies jedoch nahezu unmöglich.  Aber woran kann ich nun ein hochwertiges Olivenöl erkennen? Vor Allem gilt: je transparenter die Informationen auf einem Etikett (Erntejahrgang, Produzent und Olivensorte) sind, desto besser ist auch die Qualität. Gut zu wissen, dass dass 2013 die Regularien für die Bezeichnung „nativ extra“ dahin gehend verschärft wurden, dass Produzenten nicht mehr mit italienischen Namen oder Motiven werben dürfen, wenn die Oliven nicht aus Italien stammen. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung und ich hoffe, dass sich diese Regelung auch auf den gesamten EU-Raum ausweiten wird. Die Bezeichnung Kaltgepresst ist im übrigen völlig überflüssig, denn heiß presst man heute nirgend wo mehr. Auch der Preis kann bei der richtigen Wahl hilfreich sein, unter zwölf Euro pro Liter gibt es nach Thomas Fuhlrotts Meinung kein vernünftiges Olivenöl, nach oben gibt es leider keine Garantie, dass es ein gutes Öl ist – oder dass es dem Verbraucher dann auch schmeckt.

Bei meiner Verkostung fällt mir auf, dass mir wohl als einzige die intensiven und gehaltvollen Öle gut gefallen. Das Booklet verrät mir: je bitterer, umso gesünder das Olivenöl. Das liegt am höheren Gehalt von  Polyphenol (Antioxidantien), die die freien Radikale im Körper einfangen. Die Aussage von Andreas März bringt es auf den Punkt: Wenn du ein mildes Olivenöl magst, dann kauf besser kein Olivenöl, sondern Butter. WORD.

 

Geschmeidige Grüße, Kerstin.

 

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause

TRY FOODS und meine Olivenöl-Verkostung für Zuhause