Der französische Schriftsteller Jean-Louis Vaudoyer (1883 – 1963) unterschied zwei Charaktere von Menschen die Trüffeln genießen: „Solche die glauben, Trüffeln seien gut, weil sie so teuer sind, und solche, die wissen, dass sie so teuer sind, weil sie so gut sind.“ (zitiert nach Pini; S. 956)

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

 

Gleich zu Beginn meines zweiten Alba-Berichtes gibt’s direkt ein wenig Trüffelkunde auf die Mütze:

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

 

Wir durften während unserem Besuch in Alba an einem Sensorik-Seminar teilnehmen und so einiges Interessantes davon habe ich ein wenig für Euch zusammengefasst. Trüffel ist ein unterirdischer Pilz, der immer in Symbiose mit einem Baum (z.B. Haselnuss, Zerreiche, Linde oder Stieleiche) entsteht. Die Saison beginnt Ende September bis Januar, je nach Wetter und Klima. Mein persönlicher Favorit ist der weiße Alba-Trüffel „Tuber Magnatum Pico“, dessen Saison erst im November, nach dem ersten Frost, beginnt. Der weiße Alba-Trüffel konnte noch nie erfolgreich kultiviert werden, was ihn natürlich um einiges Wertvoller macht. Die Pilzfrucht kann 120 festgestellte Aromen bieten, signifikant sind 15 davon (u.A. Knoblauch, Honig oder nasses Heu). Grundsätzlich hängt die Fruchtfleischfarbe und -duft auch vom Baum ab, mit dem Trüffel wächst. In Symbiose mit Pappel und Weide ist das Fruchtfleisch sehr weißlich-hellgelb, in Zusammenleben mit der Eiche eher hellbraun und mit der Linde hellbraun bis Rötlich.

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

 

Das feine Aroma der weißen Trüffel nach Weichkäse, Erde und frischem Knoblauch ist flüchtig. Weiße Trüffel werden nie mit gekocht, sondern erst bei Tisch hauchdünn über das fertige Gericht (zu Rührei, Spiegelei oder Omelett, auf geschmolzenem Käse, Polenta und Tajarin (Eiernudeln)) gehobelt – dazu gibt es spezielle Trüffelhobel. Schwarzer Trüffel darf gerne kurz erhitzt werden, so kann er sein Aroma optimal entfalten.

 

Wichtige Zwischeninfo: Ja, Juliane und ich, wir haben uns Trüffel mitgenommen, und ja, in luftdichten Behältnissen ist dies durchaus erlaubt, auch wenn man sich den Zorn aller Mitreisenden auf sich ziehen kann, falls der Trüffelduft dann doch den Flieger beglücken sollte. Aber ganz ehrlich, wenn ich in Turin ein Flugzeug besteige, muss ich zwangsläufig damit rechnen, mit Trüffelgeruch konfrontiert zu werden. So. ABER. Der Trüffelhobel ist NICHT erlaubt im Handgepäck. Wir hätten den Flugkapitän schließlich absichtlich mit frisch gehobeltem Trüffel bewerfen können. Also merke, Handgepäck: Trüffel JA Hobel NEIN.

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

 

Nach unserem Sensorik-Seminar brachte uns Mauro, unser Fahrer, buchstäblich wo sich Hasel und Nuss gute Nacht sagen. Inmitten einer Haselnussplantage mit herrlichem Ausblick trafen wir auf den Trüffeljäger Gianni Monchiero und Lila, seiner von ihm ausgebildeten Trüffel-Hündin. Wir gehen nur kurz durch den Haselnusshain, schon steuert Lila gezielt einen der Bäume an und beginnt zu graben, aber bevor sie weiter kommt ist Gianni schon bei ihr und schiebt sie sanft beiseite, er gräbt mit seiner Hacke fix einen herrlich duftenden schwarzen Trüffel aus und hält ihn uns grinsend entgegen, seine Augen leuchten dabei wie die eines Kindes am Weihnachtsabend. Wir begutachten den Fund bevor er in Giannis Tasche verschwindet und schon setzt Lila wieder an, wie eilen ihr nach und bevor ich es mich versehe halte ich Giannis Hacke in meiner Hand, ich soll graben! Weis. Eben sah das noch so einfach aus. Als ich mich auf den Boden knie, kann ich den unverkennbaren Geruch schon wahrnehmen, toll, aber sehen kann ich das begehrte Stück noch nicht. Ich setze Giannas Hacke an, aber der Boden ist steinhart und ich habe große Angst, dass ich den Trüffel verletze. Bei Juliane könnt ihr noch sehen, wie ich meinen Schatz berge, sie hat ein schönes Video von mir auf ihrem Blog. Währen ich noch strahle wie ein Lebkuchenpferd bedeckt Gianni schon wieder das entstandene Loch und geht weiter.

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

Eine oft gestellte Frage möchte ich hier noch beantworten: Warum Hunde und keine Schweine? Tatsächlich ist es so, dass Trüffel ein Pheromon ausstrahlen, das auf Schweine höchst verführerisch wirkt. Aber. Schweine sind im Gegensatz zu Hunden nur sehr schwer zu dressieren und wenn sie mal ihre lockende Beute vor Augen haben ist es nur schwer, sie vom verschlingen der Trüffel abzuhalten.

 

Der krönende Abschluss des grandiosen Tages war unser  Dinner im “La Crota” in Roddi. Zuerst der schöne Empfang bei feinstem Wein, Pramaschinken, Grissini und Parmesan im Weinkeller des Hauses. Danach gab es als Vorspeise ein traditionelles „Peperoni in sfoglia con bagna cauda“ – ein buttriger Blätterteig, gefüllt mit gegrillten Paprikaschoten und der Knoblauch-Sardellen-Sauce „Bagna Cauda“ über die ich bereits im ersten Teil meines Reiseberichtes geschrieben habe. Der Hauptgang, „Tagliolini al coltello e tartufo bianco“ – herrlich dünne, frische Tagliolini gekrönt von herrlichem frisch gehobeltem weißem Trüffel. Eigentlich befinde ich mich schon jetzt im siebtem Himmel – aber dann kommt das Dessert „Torta di nocciole con zabaglione al marsala e moscato“ – ein lauwarmes Birnenküchlein, Haselnusstorte und eine cremige Zabaione – WOW – ich bin selig. Dass es zum Menü herrliche Weine gegeben hat, muss ich an dieser Stelle nicht erwähnen.

 

Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd Unterwegs im Piemont – Alba und und die wilde Trüffeljagd

Am darauffolgenden Tag gönnen Juliane und ich uns noch feinsten Trüffel und schweben dann wohlduftend wieder Richtung Frankfurt.

Wenn ich Euch jetzt Lust auf eine kulinarische Piemontreise gemacht habe, dann schaut mal rüber zur italienischen Zentrale für Tourismus und zum Team von Ente Tourismus Langhe Roero, die uns zu dieser leckeren und besonders köstlichen Reise ins Trüffel-Paradies nach Alba eingeladen haben!