Bildschirmfoto 2015-11-06 um 19.39.54

Die gekaufte Kuh…

Ich teste derzeit Kauf ne Kuh, eine zunächst gut klingende Variante des Crowdbutching. Für knapp 100 Euro gibt es ein Paket mit ca. 7,2 kg (ab 1,78 € pro Mahlzeit) verschiedenster Fleischstücke, vom Filet, Suppenfleisch, Gulasch, Entrecôte usw. und auch Zubereitungen wie Burgerpatties und Bratwurst. Auf der Homepage wird eine Transparenz versprochen, die aber bei genauerem Hinsehen nicht eingehalten wird, und ich vermisse detaillierte Angaben zu Herkunft, Aufzucht und Schlachtung. Das Fleisch kommt nicht in bioqualität, das ist für diesen Preis klar.

 

Die verschiedenen Fleischstücke und Zubereitungen kommen vakkumiert und alles passt in exakt eine Schublade meines Tiefkühlfachs. Das Entrecôte habe ich gegrillt für eine bald erscheinende Kochbuchbesprechung verwendet, die Rindsbratwürste waren überraschend lecker und im Tiefkühler warten jetzt noch die restlichen Fleischpäckchen. Wie Kollege Stevan Paul bereits auch festgestellt hat: warum die Kuh in Deutschland geschlachtet und in den Niederlanden portioniert wurde, erschließt sich mir ebenfalls nicht, da hat das Vieh also doch noch eine Reise hinter sich, die Handelskette ist länger als gedacht.

Fazit (nach Herrn Paul): mehr Informationen im Detail und Kauf ne Kuh wäre tatsächlich ein annehmbares Angebot – jenseits des Biobereiches.

Stevan Paul berichtet über seine Erfahrung mit der Idee des Crowbutching in seinem Blog nurticulinary.com darüber. Er stellt auch noch 4 weitere Versandanbieter vor und bemerkt noch etwas, das auch mir schon länger auffällt und mich beschäftigt, im stillen Kämmerlein. Aber dazu gleich mehr.

Abschließend zum Fleischversand gebe ich Stevan Paul recht, das gute Metzgerhandwerk stirbt aus in Deutschland. Es gilt, die wenigen verbleibenden, guten Metzger zu unterstützen und dort zu kaufen wo Menschen mit Herz und Verstand hinter Ihren Produkten stehen. Das gilt natürlich auch für das Bäckerhandwerk. 

 

Foodphotography_5

 

…und ich

Die zahlreichen und vielfältigen Reaktionen bei Stevan Paul auf die einfache Ankündigung, demnächst im Blog einen Fleischversender und die Idee des Crowdbutchings vorzustellen, zeigten was mich schon eine Weile beschäftigt:

Neulich im Supermarkt treffe ich einen Bekannten, der schaute mich an als sähe er einen Geist. Was ich in einem Supermarkt mache fragt er mich. Ich überlege und er erklärt mir, dass ich doch alles auf dem Biohof kaufe? Spontan muss ich an die Geschichte aus Schlaraffenland denken, in der just ein Foodblogger mal fünfe gerade sein lässt und normales Hackfleisch kauft. Das begleitet mich seit ein paar Tagen, denn welches Bild vermittle ich den Leuten in meinem nahen Umfeld und wie wirkt das wohl erst auf meine Leser(innen) im Blog? Was mich dann endgültig aus der Bahn wirft ist ein Kommentar einer Freundin, der ich ein Foto aus einem aktuellen Shooting schicke. Darauf ist eine Bratwurst zu sehen und zurück kommt dass die Wurst sicher auch selbst gemacht ist?

Natürlich möchte ich mich jeden Tag von frischen Markteinkäufen, selbstgebackenem Brot, Wurst aus der eigenen Herstellung vom möglichst eigenen (Paten-)Tier (Bio!) ernähren. Wer wünscht sich das nicht? Per du mit dem Ökobauern vor der Haustür und gerne auch einen eigenen Acker oder Garten zum bewirtschaften. Aber. Das ist für mich genau so wie für die meisten Menschen in der Realität nicht umsetzbar. Mit meinen festen Arbeitszeiten schaffe ich es zumeist nicht einmal auf den Wochenmarkt. Nach einem schnellen Einkauf im Supermarkt wartet meist der Haushalt, Mails für das Blog beantworten und Hausaufgaben von Maximilian beaufsichtigen, den ich zwischendurch auch noch abgeholt habe. Anschließend noch raus mit dem Kind, welches seit es in die Schule geht auch noch ausreichend Bewegung und Spiel im Freien will, mit Mama natürlich. Also PC zuklappen, Kochpläne aufs Wochenende verschieben und los geht’s. Am Abend dann noch kochen, essen, Küche sauber machen und Kind ins Bett bringen, gefährlich, denn beim Vorlesen des abendlichen Märchens schläft meist die Mama vor dem Kind und ich muss oft von meinem Mann aus den Kinderzimmer geweckt werden. Dass ich dann noch Energie finde, einen schönen Text fürs Blog zu tippen oder mir gute Rezepte auszudenken ist reine Glückssache. Das Wochenende findet zwischen Putzeimern, Kind, Küche und Fotoapparat statt; ab und an Events, über die ich mich immer sehr freue und natürlich vielfältige Familienausflüge. 

Dennoch bereitet mir das Bloggen große Freude und ich finde immer Zeit und Muse für neue Themen. Und ich werde nicht Müde, für eine bewusstere Ernährung, im Rahmen meiner und aller anderer Möglichkeiten – zu plädieren. Unsere Küche hat sich in den letzten Jahren stark verändert, denn es gibt wesentlich weniger Fleisch. Dafür plane ich die Fahrt zum Metzger meines Vertrauens umso genauer und es funktioniert wunderbar. Auch kann ich ab und an Maximilian davon überzeugen, dass wir Samstag für kurz einen Ausflug zum Biohof in der Nähe machen – aber ohne Supermarkteinkäufe würde es einfach nicht funktionieren.